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Den Schuss am Sonntagabend hatten nur ihr Mann und ihre Schwiegereltern gehört. Doch mit den Folgen wurde Angela Pradl aus Lollar-Odenhausen am nächsten Morgen konfrontiert .Als sie ihren sechs Jahre alten Wallach Joshi füttern wollte, entdeckte sie, dass das Pferd etliche Wunden aufwies. Zuerts glaubte die 37-jährige Bürokauffrau an das Verbrechen eines Pferdeschänders, dann entdeckte sie die erste Metallkugel. Befreundete Jäger bestätigten der Familie Pradl den schlimmen Verdacht: Joshi war von einer Schrotladung getroffen worden und hatte dabei noch Glück gehabt. Knapp 30 Kugeln hatten Hals und Kopf getroffen, eine davon hatte das Auge des Pferdes nur um einen Millimeter verfehlt. In der abgefeuerten Patrone, die eigentlich zur Entenjagd verwendet wir, waren aber mehr als 200 der drei Millimeter großen Metallgeschosse. 16 Kugeln wurden Joshi noch auf der Weide entfernt, der Rest musste in einer Tierklinik herausoperiert werden. Vier Kugeln wird das Pferd für den Rest seines Lebens behalten, da sie nicht entfernt werden konnten. Nach dem ersten Schrecken erinnerte sich Angela Pradl daran, das auf der anderen Seite der Lahn, direkt vis-avis ihrer Pferdekoppel, ein paar Tage zuvor Enten von Jägern angefüttert worden waren. Bereits einen Tag später, sah sie wieder einen Jäger Enten anlocken. Als sie den Mann mit den offensichtlich fehlgeleiteten Schrotkugeln und deren fatalen Folgen konfrontierte, ga dieser bereitwillig zu, die vermutlichen Schützen zu kennen-zwei Studenten einer studentischen Jagdverbindung in Linden. Offensichtlich hatten einer der beiden, als er Enten anvisieren wollte, den Schuss abgefeuert, der Joshi über die Lahn hinweg getroffen hatte. Normalerweise, so ein Jagdexperte, dürfe man auf Enten nur schießen, wenn sie über Baumhöhe aufgestiegen seien, auf keinen Fall aber Schrot in Augenhöhe auf nicht klar zu erkennende Ziele abfeuern. Einer der beiden Studenten hat mittlerweile auch Kontakt mit der Familie Pradl aufgenommen und auch angeboten, den entstandenen Schaden zu bezahlen, doch Angela Pradl hat nicht vor, ihre zwischenzeitlich gemachte Anzeige bei der Polizei zurückzunehmen: "Ich habe nichts gegen Jäger. Ich zähle einige sogar zu meinem Freundeskreis, und die haben mir in der Angelegenheit auch sehr geholfen, aber ich kann das nicht einfach auf sich beruhen lassen." Anstelle des auf seiner - übrigens schon seit 30 Jahren als Pferdekoppel genutzten - Wiese weidenden Joshi hätte die Schrotladung nämlich genau so gut seine Besitzerin, die dort täglich ihre drei Pferde versorgt, oder einen Angler treffen können. |